Meinungsfreiheit (Film „GekaufteWahrheit“), Welternährungstag, „occupywallstreet“

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/film/404223_Ein-grosser-Menschenversuch-ohne-Kontrollgruppe.html

„Ein großer Menschenversuch ohne Kontrollgruppe“

Von Alexandra Zawia
Forscher werden mundtot gemacht, meint Dokumentarfilmer Bertram Verhaag.

Bertram Verhaags Film „Gekaufte Wahrheit“ (ab Freitag im Kino) versucht, Licht in die Machenschaften der Industrie zu bringen.
„Wiener Zeitung“: In „Gekaufte Wahrheit“ zeigen Sie, dass die möglichen Gefahren genmanipulierter Nahrung nicht wissenschaftlich untersucht sind. Wie kann das sein?

Bertram Verhaag: Weil 95 Prozent der Wissenschafter, die im Bereich der Gentechnik forschen, direkt oder indirekt von der Industrie finanziert werden. Denn sobald jemand etwas veröffentlicht, das den Interessen der Industrie zuwiderläuft, etwa dass Ratten eine höhere Sterblichkeit, ein schwächeres Immunsystem oder eingeschränkte Zeugungsfähigkeit aufweisen, nachdem sie mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert werden, macht die Industrie unglaublichen Druck. Gentechnisch manipulierte Lebensmittel sind insgesamt billiger für die Industrie als natürliche. Kritische Wissenschaftler bekommen keine Forschungsgelder oder werden als interessengeleitete Aktivisten verunglimpft oder verlieren sogar ihren Job.

Im Frühjahr 2001 zog das weltweit wichtigste Wissenschaftsmagazin „Nature“ einen Artikel zurück, den der renommierte Biologe Ignacio Chapela einige Monate zuvor eingereicht hatte. Warum?

Er berichtete darin über die Vermischung von einheimischem mexikanischen Mais mit gentechnisch veränderten Sorten, also in einem Land, in dem gentechnisch angebaute Produkte strikt verboten sind. Oaxaca, wo der gentechnisch veränderte Mais gefunden wurde, ist zudem nicht irgendein Winkel dieser Erde. Dort ist das genetische Reservoir der Urmais-Sorten für die ganze Welt. Chapelas Entdeckung war daher höchst alarmierend für die Industrie und traf eine Achillesferse der Gentechnik-Betreiber: die Frage der Koexistenz.

Wissen die Bauern in Oaxaca, dass der Mais, den sie als traditionellen Mais verkaufen, genmanipuliert ist?

Die haben keine Ahnung.

Ein anderer führender Nahrungsmittelforscher, Árpád Pusztai, sagt im Film, wir befänden uns in einem großen Menschenversuch ohne Kontrollgruppe. Wie ist das zu verstehen?

Es gibt bis heute keine einzige Studie, die schlüssig erklären würde, welche positiven und welche negativen Eigenschaften eine gentechnisch veränderte Pflanze hat. Pusztai hatte im August 1998 im britischen Fernsehen ein kurzes Interview gegeben, in dem er von Testreihen mit Ratten berichtete, die mit einer gentechnisch veränderten Kartoffel gefüttert worden waren. Sie erlitten gravierende Organkrankheiten, Entzündungen, Immunschäden und retardiertes Organwachstum. Innerhalb weniger Stunden war Pusztai im heftigsten politischen Kreuzfeuer, sogar der damalige britische Premierminister Tony Blair hat interveniert. Pusztai wurde verboten, sich weiter zu seinen Forschungen zu äußern. Seine Unterlagen wurden konfisziert, der Zugang zu seinen Labors versperrt. Wenig später erhielt er die Kündigung und wurde aus dem nationalen Wissenschaftsgremium ausgeschlossen.

Sie möchten mit ihren Filmen zeigen, wie groß hier die Gefahr für Meinungsfreiheit und Demokratie ist. Welche Erfolgschancen hat die Anti-Gentechnik-Bewegung?

Es ist ein Riesenerfolg, dass die bayerische Staatsregierung im letzten Jahr den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten hat. Wir Konsumenten werden von der Industrie nicht gefragt, ob wir Nahrungsmittel mit genmanipulierten Inhalten essen wollen. Antworten müssen wir trotzdem, umso lauter.

http://www.ihr-einkauf.com/magazin/de/welternaehrungstag-unfaire-regelwerke-produzieren-hunger

Welternährungstag: Unfaire Regelwerke produzieren Hunger

Autor: Sana Brauneram 14. Okt 2011

Ein Fußballmatch illustriert das böse Spiel von Agrarkonzernen und Spekulanten. Ort des Geschehens ist der Stephansplatz in Wien. Zeitpunkt dieser Aktion ist der 14. Oktober 2011.
Unter dem Motto Ein unfaires Match“ luden FIAN Österreich, ÖBV-Via Campesina Austria und die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar zu einem (Schau)spiel der besonderen Art:

© Bild: Fotos: Brigitte Reisenberger

Ort des Geschehens ist der Stephansplatz in Wien. Zeitpunkt dieser Aktion ist der 14. Oktober 2011. – Unter dem Motto „Ein unfaires Match“ luden FIAN Österreich, ÖBV-Via Campesina Austria und die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar zu einem (Schau)spiel der besonderen Art: Das Team der „Agroindustrie Eintracht Profit“ trat gegen den FC Essen für Alle!, die Frau- und Mannschaft von Landlosen, Kleinbäuerinnen, armen Frauen und FischerInnen an.

Um anläßlich des Welternährungstages (16.10.) auf die strukturellen Ursachen von Hunger und Unterernährung aufmerksam zu machen, zeigten die veranstaltenden Organisationen im Bild eines Fußballspiels karrikierend die sehr ernsten strukturellen Probleme im Weltagrar- und Ernährungssystem auf: Agrarkonzerne und InvestorInnen kaufen oder pachten große Landflächen in Entwicklungsländern und berauben damit Kleinbauernfamilien, die bisher auf und von diesem Land gelebt haben, ihrer Lebensgrundlage. Im Spiel wird die Mittellinie zugunsten des Eintracht Profit“ verschoben. Patente auf Saatgut ermöglichen es internationalen Kornzenen, die alleinige Kontrolle über Saatgut zu übernehmen. Das heißt im unfairen Match: Plötzlich alle Tore für die Eintracht Profit“ – egal von wem sie erzielt wurden. Weitere Problemlagen wie die mangelnde Unterstützung für die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Entwicklungsländern, der schädliche Einfluss der Finanzmärkte, ungerechte Förderungen und Subventionen in den Industriestaaten und die wirtschaftliche und politische Macht der Agrarmultis werden so aufgezeigt.

Eindrücke vom Spielverlauf: Zwei Mannschaften laufen auf’s Feld – aber welch ungleiches Bild: Das Team der Agroindustrie ist Dank des Sponsorings multinationaler Agrarkonzerne bestens ausgerüstet und besetzt strategisch die wichtigen Positionen. Die Frau- und Mannschaft von Landlosen, Kleinbäuerinnen, armen Frauen und FischerInnen hat keine einheitlichen Dressen und muss gegen eine Übermacht ankämpfen. Der Schiedsrichter ist der freie Markt“. Gleich zu Beginn sorgt er für einen Aufreger: Der Torhüter der Mannschaft des Südens wird des Platzes verwiesen. Liberalisieren!“ ruft der Schiri. Protektionismus hat am Weltmarkt nichts verloren!“ Die Buchmacher jubeln – durch geschicktes Spekulieren sind sie die großen Gewinner abseits des Platzes

Laut Welternährungsorganisation (FAO) hungern weltweit mehr als eine Milliarde Menschen. Mehr als fünfzig Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist für sie das grundlegende Recht jedes Menschen, sich angemessen zu ernähren, nicht erfüllt“, kritisiert Gertrude Klaffenböck von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Diese täglich millionfachene Menschenrechts¬verletzungen bleiben weitgehend unbestraft. Im Gegenteil: Es werden unglaubliche Kraftanstregungen unternommen, um eine Wirtschafts-, Agrar- und Gesellschaftsordnung aufrecht zu erhalten, die Ausgrenzung und Marginalisierung vorantreibt und so Hunger und Unternährung ständig neu organisiert.“ stellt Klaffenböck empört fest.

Der überwiegende Teil des weltweiten Hungers hat strukturelle Ursachen, nur etwa einem Zehntel davon liegen Ursachen wie Dürre, Katastrophen oder Kriege zugrunde. Ein Großteil der Menschen, die hungern, sind Kleinbäuer/innen. Immer mehr von ihnen werden systematisch am Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und Märkten gehindert und im Namen des sogenannten freien Marktes“ ins Abseits gedrängt. Ihre verzweifelten Versuche, sich dagegen zu wehren, werden kriminalisiert. Dabei sind es nach wie vor die Kleinbauern und insbesondere Kleinbäuerinnen, die den Löwenanteil der Lebensmittel weltweit produzieren – trotz der ungleichen Voraussetzungen!“, erklärt Irmi Salzer von der Bäuer/innenbewegung ÖBV-Via Campesina Austria.

Herbert Wasserbauer von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar fordert ein Umdenken: Wir dürfen vor der Tatsache nicht die Augen verschließen, dass unser Wirtschaftsmodell entscheidend dazu beiträgt, dass Millionen Menschen auf unserer Welt zu wenig zum Leben haben. Unsere Wirtschaft, unsere Politik, unser Lebensstil machen Hunger! So wie wir derzeit leben, stülpen wir den Menschen in den Armutsregionen unserer Welt die Folgekosten über.“

Sa., 15. Oktober 2011: weltweiter Aktionstag

Auch wenn die großen Medien kaum darüber berichten, ist gerade Großes im Gange:

Seit 17. September ist mit „occupywallstreet“ eine friedliche Besetzung/Demonstration im Gange, die sich für eine Rückkehr zur echten Demokratie und ein Wirtschaftssystem, das für alle Menschen da ist, einsetzt. Die Bewegung breitet sich aus, am 15. Oktober sind weltweit 662 Orte in 79 Ländern geplant. In Österreich sind (bisher) Demonstrationen/Aktionen in folgenden Orten bekannt: Wien, Linz, Salzburg, Steyr, Innsbruck, Graz, Villach, Salzburg. Wir sehen uns dort!

http://15october.net/de/, www.facebook.com/OccupyAustria, http://www.attac.at/9688.html

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