Ceija Stojka – eine mutige Frau ist von uns gegangen

Wir zitieren einen aktuellen Nachruf des ORF:

http://wien.orf.at/news/stories/2569130/

Ceija Stojka verstorben

Die Malerin und Schriftstellerin Ceija Stojka ist im 80. Lebensjahr verstorben. Stojka hatte als Kind drei Konzentrationslager überlebt und machte als eine der ersten auf das Schicksal der Roma in der Zeit des Nationalsozialismus aufmerksam.

„Ich habe zum Stift gegriffen, weil ich mich öffnen musste, schreien“, erklärte die Malerin, Sängerin und Autorin 2004 bei einer Ausstellung im Jüdischen Museum ihren Antrieb. Geboren wurde die Künstlerin am 23. Mai 1933 in der Steiermark als Kind von fahrenden Rom-Lowara aus dem Burgenland.

In der Zeit von 1941 bis 1945 war Stojka in den Konzentrationslagern Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen interniert, die sie mit ihrer Mutter und vier Geschwistern als einzige Mitglieder einer 200 Personen zählenden Großfamilie überlebte.

Erinnerungsband 1988 veröffenlticht

Ihre Erlebnisse brachte Stojka erstmals für den 1988 veröffentlichten Erinnerungsband „Wir leben im Verborgenen“ zu Papier, 1992 folgte die Fortsetzung „Reisende auf dieser Welt“. Aber nicht nur in Worten, auch in ihren Bildern drückte Stojka die Gräuel des Nationalsozialismus aus, sieht man sich auf „Die Finsternis von Bergen-Belsen“ oder anderen Werken immer wieder mit Szenarien aus dem Leben im KZ konfrontiert.

Vor der Internierung in den Lagern fuhr Stojka mit ihren Eltern durch das Land, zu einer Zeit, bevor die „braune Soß’“ Europa überschwemmte, wie sie im nach ihr benannten filmischen Porträt von Karin Berger (2001) erzählt. Auch die Zeit nach dem Krieg ist hier Thema, als sie sich etwa die Haare blond färbte, um bessere Jobaussichten zu haben: „Man hat so große Angst gehabt vor dunklen Menschen.“

Bücher werden neu aufgelegt

Anlässlich des 80. Geburtstags, den die Künstlerin im Mai gefeiert hätte, erscheinen im Wiener Picus Verlag „Aufzeichnungen einer Romni zwischen den Welten“, wie der Untertitel zur Neuauflage ihrer beiden Erinnerungsbücher lautet, die erstmals in einem Band erhältlich sind.

„Dieses Buch wirkte wie ein Initialfunke in einer gesellschaftlichen Situation, in der sich ein Teil der österreichischen Bevölkerung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zu konfrontieren begann“, schreibt Karin Berger im Vorwort. „Ihre Worte und ihre Persönlichkeit haben bei vielen Menschen Sichtweisen verändert, haben einen Anstoß gegeben, neues Wissen aufzunehmen und Vorurteile abzubauen.“

Zahlreiche Auszeichnungen

Stojka war Trägerin zahlreicher Preise, darunter des Bruno Kreisky-Preises für das politische Buch (1993), des Goldenen Verdienstkreuzes des Landes Wien (2001), der Humanitätsmedaille der Stadt Linz (2004), des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Oberösterreich (2005) und des Fernsehpreises der Erwachsenenbildung (2006). 2009 wurde sie mit dem Berufstitel Professorin ausgezeichnet.

„Große Persönlichkeit und Künstlerin“

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) würdigte Ceija Stojka als „große Persönlichkeit und Künstlerin, die wesentlich zum Selbstbewusstsein der Roma, Sinti und Lowara beitrug“. „Ihre Kraft und ihr Wille, das Vergangene für die Nachwelt festzuhalten, ist für unser Land ein wichtiges, ein sorgsam zu pflegendes Vermächtnis“, so Mailath-Pokorny in einer Aussendung.

Für Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat Ceija Stojka „unschätzbares für die Volksgruppe der österreichischen (Lovara-)Roma geleistet“. „Ceija Stojka war überzeugt, dass ein friedlicheres Zusammenleben nur durch ständigen Dialog und Kenntnis der Geschichte erreicht werden kann“, meinte Schmied.

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